Ausgabe Kreis Altenkirchen
Freitag, 13. April 2007
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goeb Ziegenhain. Als Namur vor zwei Wochen auf dem Gnadenbrothof in Ziegenhain bei Altenkirchen kam, sah er aus wie ein Gespenst, ein Pferdegespenst. Der Haflinger-Großpferd-Mix hätte eigentlich 500 Kilo wiegen müssen, und doch zeigte die Waage nur 250 an. Die Haut hing dem 34 Jahre alten Hengst wie eine Decke auf den hervorstehenden Hüftknochen, und man konnte seine Rippen zählen. "Wollen immer nur erlösen" "Da sind Fehler passiert", sagt die Leiterin des Gnadenbrothofes, Andrea Mais, noch diplomatisch. Namur sei direkt von einem Kölner Reiterhof, wo man ihn zuletzt "erlösen" wollte, zu ihr gekommen. "Die Reiter wollen immer nur erlösen". Sie kann sich über manche Gepflogenheiten in den großen Ställen fürchterlich aufregen. "Dabei könnte er noch zehn Jahre leben", weiß sie. Großpferde können 40, Ponys sogar 50 Jahre alt werden. Brutstätte für Haarlinge Mangelernährung ist das eine traurige Attribut für das stark
untergewichtige Tier, Verwahrlosung das andere. Das Fell des alten Herrn
ist eine einzige Brutstätte für Haarlinge gewesen. "Wir
haben hier auf dem Hof schon einiges gesehen, aber das hat alles Bisherige
getoppt", fügt sie hinzu. Namur sei vom Hänger gestolpert
und habe ausgesehen, als würde er sich jeden Moment zum Sterben hinlegen. |
Nicht nur der Mensch, auch das Tier besitzt für die Mitarbeiter des Gnadenbrothofes eine Würde, die unantastbar ist. In Ziegenhain bilden zum Beispiel die zwölf betreuten Pferde eine natürliche Herde, die nie wieder getrennt werden soll. Eigentlich habe man wegen der knappen Finanzen einen Aufnahmestopp verfügt, aber im Falle von Namur musste sofort gehandelt werden. Tiere mit Vergangenheit Außer den Pferden genießen zwei Kühe und zwei Hängebauchschweine sowie vier Schafe und einige Enten, Hühner, Hasen und Meerschweinchen ihren Lebensabend zwischen Misthaufen und Scheune. Auch eine Ziege, fünf Hunde und sieben Katzen haben hier ihren Platz gefunden. Es sind allesamt Tiere mit Vergangenheit, die das seltene Glück einer zweiten Chance bekommen haben. Und vielleicht gewinnt ja auch der Mensch in den Augen der Tiere etwas von seinem Anstand zurück - wer weiß. Im eigentlichen Sinne nicht zu besitzen Andrea Mais wuchs im Rheinland mit Tieren auf, und von
Anfang an fühlte sie sich mit ihnen besonders verbunden. "Tiere
wurden bei uns nie als Eigentum angesehen. Man kann sie im eigentlichen
Sinne auch nicht besitzen." Mit Pferden kennt sie sich am besten
aus. Als Cranio-Sacral-Therapeutin ist sie inzwischen im ganzen Bundesgebiet
tätig. "Da rufen mich manchmal Leute an, von denen ich es
nie erwartet hätte".
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Zur zweiten Heimat geworden Jenny und Daniela beispielsweise begannen in Ziegenhain
als Ein-Euro-Jobberinnen, dann wurden ihre Verträge allerdings
nicht verlängert. Jetzt schaffen sie für einen Gotteslohn.
"Die Arbeit macht uns Spaß und die Tiere brauchen uns doch
schließlich", sagen die beiden unverdrossen. Der Gnadenbrothof
ist längst ihre zweite Heimat geworden. "Übersteigt unsere Möglichkeiten" Der zweite große Posten bei den Ausgaben sind Tierarztrechnungen.
4000 Euro Außenstände hat der Gnadenbrothof derzeit zu verkraften.
"Das übersteigt im Moment unsere Möglichkeiten",
sagt Andrea Mais nachdenklich, "ist aber fast normal, weil wir
immer etwas hinterherhecheln". Sie freut sich indes über die
Zusage eines Waschmaschinen-Herstellers, eine geräumige Maschine
zu spenden. Die alte ist eigentlich zu klein für für die irischen
Pferdedecken, weshalb sie rund um die Uhr läuft. Nun soll eine
größere kommen. |